Laggenbeck's Geschichte

 

Laggenbeck – seine Entwicklung bis 1920


1150 Laggenbeck wird erstmalig urkundlich erwähnt. Unter den Lehnsleuten, deren Lehnsgüter und Höfe dem Bischof von Osnabrück durch den damaligen Grafen Henricus de Tekeneburg übertragen wurden, wird auch Thidericus von Laggenbeck mit seiner Frau, seinen Kindern, seinen Hörigen und seinem Herrenhause genannt.

1160 Die Gebrüder Gerhard und Thiderich von Varenthorpe schenken dem Frauenkloster in Asbeck einen Holzanteil. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass die Varenthorper mit den Ibbenbürener Grafen verwandt waren.

Bis 1500 Ibbenbüren, zu dem Laggenbeck gehört, ist mit seinen Bauerschaften ein fester Bestandteil der Grafschaft Tecklenburg. Fast alle Bauerschaften hierzulande liegen an einem Fluss, weil der Sandboden hier leichter zu bearbeiten ist. So ist es nicht verwunderlich, dass der Ursprung Laggenbecks im Gebiet der Aa lag, also im jetzigen Aatal.

1509 Es kommt zu Streitigkeiten zwischen Otto und Nikolaus, Söhne des Grafen Nikolaus. Das führt dazu, dass sich neben anderen auch der Bischof von Münster einschaltet. Nikolaus wurde wieder in seine Rechte eingesetzt. Er erhält Lingen als Eigentum und außerdem noch als Abfindung die vier Orte Recke (mit Halverde), Ibbenbüren (Stadt und Land), Mettingen und Brochterbeck. Sie werden zur Grafschaft Oberlingen zusammengefasst. Eine wechselvolle Geschichte beginnt.

1541 stirbt Nikolaus kinderlos. Oberlingen fällt wieder an Tecklenburg. Graf Conrad beginnt damit, die Grafschaft Lingen im Geiste Luthers zu reformieren.

1548 wird Lingen niederländisch.

1550 verkauft Wilhelm von Oranien die Grafschaft an Kaiser Karl V.

1555 wird Lingen seinem Sohne Philipp II von Spanien zugeeignet. Das bringt vor allem in kirchlicher Hinsicht Veränderungen. Alle Erlasse, die die religiöse Betätigung der Katholiken einengen, werden aufgehoben. Ibben büren kommt vom Bistum Osnabrück zum Bistum Deventer.

Mehrfach wechselt die Herrschaft zwischen Oraniern und Spaniern. Mal wird der Besuch des katholischen Religionsunterrichtes und des Gottesdienstes verboten, mal werden die Bestimmungen gelockert. Ständig geht es hin und her.

1630 kommt der Dreißigjährige Krieg in unsere Heimat. 1633 ist wieder ein Oranier Herr unserer Grafschaft. Das dauert bis 1672, als der kriegerische Bischof von Münster Lingen erobert. In den Friedensverhandlungen von 1674 muss er die Grafschaft Lingen wieder an die Oranier abtreten. Wieder werden der Besuch des Gottesdienstes und die Erteilung des Religionsunterrichts verboten. Die Kirche wird enteignet und den Reformierten übergeben. Den Katholiken bleibt nur noch die Möglichkeit, sich sonntags auf den Weg zur Brumley bei Riesenbeck zu machen, wo auf dem Gebiet des Hochstifts Münster eine Kapelle stand.

1702 wird Lingen preußisch.

1806 nehmen die Franzosen Münster, Osnabrück, die Mark, Tecklenburg und Lingen für Frankreich in Besitz. 1810 kommt Lingen unter direkte französische Verwaltung

1813 müssen die Franzosen fluchtartig das Gebiet verlassen.

1815 werden Oberlingen und Unterlingen getrennt. Oberlingen kommt zum Kreis Tecklenburg, während Niederlingen fortan dem König von Hannover untersteht.

Zu dieser Zeit kann von einem geschlossenen Dorf Laggenbeck noch keine Rede sein. Da liegt an einem zerfahrenen Weg die Schule, gegenüber die Wirtschaft Meyering (später Linnenschmidt, heute die Pizzeria) und im Garten der heutigen Kaplanei das Heuerhaus des Bauern Freude. Auf dem Schafberg wachsen Tannen, der Fisbecker Esch ist mit Holz bestanden und auch Osterledde hat reichen Waldbestand. Vom Bahnhof bis zu Determeyers Brücke führt der Weg an hohen Tannen vorbei.

Um diese Zeit sind in der Bauerschaft Laggenbeck 16, in Osterledde 15 und in Oberalstedde 23 Eigentümer, der Schulbezirk zählt insgesamt 54 Besitzungen.

Die Beschäftigung der Bewohner besteht fast ausschließlich im Ackerbau. Der zum großen Teil recht fruchtbare Boden kann die Bevölkerung hinreichend ernähren und den fleißigen Landwirt zum Wohlstande bringen.

Der Aufschwung beginnt

1852 - 1856 Mit dem Bau der Eisenbahn beginnt der Aufschwung Laggenbecks Die Eisenbahn Rheine - Löhne, die das Amt Ibbenbüren von Osten nach Westen durchschneidet, wird gebaut. In Laggenbeck werden ungeheure Erdmassen ausgehoben und fortgeschafft, so dass ein 13 m tiefer Erdeinschnitt entsteht, über den eine von drei Bogen getragene Brücke aus

Sandstein gelegt wird. Die Arbeiten werden teils von hiesigen Leuten, teils von fremden Arbeitern ausgeführt. Als die Bahn eröffnet wird, erhält Laggenbeck weder Personen- noch Güterverkehr.

1860 beginnt die Erzgewinnung auf der Zeche Perm.

1862 wird von der Gewerkschaft Perm das Bergwerk Perm zur Gewinnung von Blei und Eisenerz eröffnet. Zur Unterbringung der Arbeiter und Beamten wird die Kolonie Perm mit 30 Arbeiter- und 6 Beamtenwohnungen errichtet.

1871 werden auf Perm auch französische Gefangene beschäftigt. Wegen Abnahme des Bleies und kaum zu bewältigender Wassermassen hört der Betrieb 1876 plötzlich auf. Einige Jahre später kauft der Georgs-Marien-Hütten- u. Bergwerksverein das Bergwerk Perm an. Zum Transport der Erze wird eine Eisenbahn angelegt, die das Bergwerk mit den Schmelzöfen in Oesede in Verbindung bringt. Die brotlos gewordenen Bergleute finden in den vielen neu entstandenen Privatkohlenzechen, „Pütts“ genannt, zum Teil wieder Beschäftigung.

1881 wird in Laggenbeck ein Güterbahnhof eingerichtet.

1885 folgt der Personenbahnhof, der den Namen Laggenbeck erhält, obwohl er auf Alstedder Gebiet liegt.

1872 gründet Carl Keller sein erstes Geschäft, in dem er alles Mögliche verkauft. Daneben stellt er in seiner Freizeit selbsttätig laufende und sich bewegende Spielsachen her. Später vergrößert er sein Geschäft durch die Errichtung einer Dampfmühle, einer Molkerei und einer Bäckerei.

1887 wendet er sich der Ziegelindustrie zu, wobei er versucht, den Betrieb mehr und mehr zu mechanisieren. Daraus entsteht die Maschinenfabrik Keller. Als die Maschinenfabrik C. Keller immer mehr Arbeiter einstellt, sucht mancher einen Haus- und Gartenplatz zu erwerben. Mit Hilfe des Amtes wurde ihm aus den Versicherungskassen ein Baudarlehen vermittelt. Durch den Bau der (romanischen) evangelischen Kirche wird das Dorfbild sehr verschönert.

Laggenbeck war ein aus zerstreut liegenden Häusern entstandener Ort geworden, es bestand wenig Aussicht, dass bald geschlossene Straßenreihen entstanden.

1897 erhält Laggenbeck die erste gepflasterte Straße nördlich des Kirchplatzes, alle übrigen Straßen sind Sandwege, nur die Straße vom Bahnhof zum Dorf ist durchgehende Chaussee, die sich gewöhnlich in sehr schlechtem Zustande befindet.

1912 wird für Laggenbeck ein Bebauungsplan ausgearbeitet, der dem bis dahin wilden Anbau ein Ende macht.

1914 erhält die Kolonie (Nördlich der Bahn) ein Kleinpflaster aus Piesberger Sandstein.

1919 folgen weitere Straßenzüge, die mit Piesberger Kleinpflaster belegt werden. Seit 1914 war mit der Kleinpflasterung Kanalisation verbunden.


Beginn der Besiedelung

Nach Einrichtung der katholischen Kirche in Laggenbeck begann bald die Besiedelung in der Umgebung der Kirche. Handwerker und Wirte öffneten ihre Stuben.

In den achtziger Jahren gründeten die Landwirte der Kirchengemeinde Laggenbeck eine Molkerei. Der Kirche gegenüber (hinter Wirtschaft Keller) wurden die nötigen Gebäude aufgeführt. Von auswärts kommende Molkmeier leiteten sie. Da sie keinen hohen Erfolg aufwies, ließ man sie 1900 eingehen.

Um die gleiche Zeit entstand am Bahnhof die Okerschlemmerei Oranien. Hier wurden die in der Bauerschaft Muckhorst bei Mettingen gewonnenen Okermassen gewaschen und für Farbbereitung vorbereitet. Um die Fabrikation gewinnbringend zu machen, wurde das Okerwerk in eine Farbfabrik umgewandelt. Ihre Farbe fand ihren Weg in alle Welt. Auf dem Okerwerk Oranien schien kein Glück zu ruhen. Es wechselte wiederholt den Besitzer. 1925 erhielt es den Namen: Chemische Farbwerke Oranien GmbH.

Größere Bedeutung für die Entwicklung des Ortes hat Maschinenfabrik C. Keller und Comp. gehabt, die sich seit 1900 aus kleinen Anfängen mehr und mehr entfaltete. Das Werk wuchs von Jahr zu Jahr und beschäftigte 1914 rund 400 Arbeiter und Angestellte. In der Kriegszeit wurden in der Fabrik Granaten ausgebohrt, wozu auch Mädchen und Frauen hinzugezogen wurden. Nach Beendigung des Krieges wurde die Herstellung von Maschinen eigener Erfindung für Ziegeleien wieder aufgenommen. Sie fanden Absatz in ganz Europa, auch in Amerika und Japan.

Auch Fabrikarbeiter und Bergleute bemühten sich, in der Nähe von Kirche, Schule, Fabrik und Bahnhof Eigentum zu erwerben. Mit Hilfe von Darlehen, die teils durch Vermittlung des Amtes aus der Reichsversicherung, teils durch Werke und Sparkassen zur Verfügung gestellt wurden, waren sie nun in der Lage, Grund zu kaufen und Wohnungen zu errichten.

Laggenbeck wurde allmählich zu einem geschlossenen Orte. Die Kreisstraßen waren im Dorfe mit Kleinpflaster versehen, Kanalisation und Wasserleitung wurden angelegt, die Niederdeutschen Kraftwerke lieferten elektrisches Licht und Kraftstrom.

Während des Krieges stockte die Bautätigkeit, in der Inflationszeit wurde sie wieder angeregt, dann wurde sie ganz eingestellt. Sie blühte wieder auf, als Baugelder (wenn auch zu hohem Zinsfuße) flüssig gemacht werden konnten.

Als nach dem Kriege das Ruhrkohlengebiet vom Verkehr abgeschlossen war, wurden am Schafberg gegen 100 Pütts aufgemacht. Auch in Osterledde und Alstedde wurden die zu Tage gefundenen Flöze angegraben und meist in Stollenbau ausgebeutet. Die Kohle war minderwertig und fand nur wenig Absatz. Als das Industriegebiet von der Besetzung frei wurde, musste ein Pütt nach dem anderen wegen Misswirtschaft oder Absatzmangel geschlossen werden. Die Zeche Concordia (Schacht Morgenstern) war zum Schachtbau und zur Tiefbohrung übergegangen und stand sich deshalb besser. 1925 ließ die Gesellschaft Concordia große Betriebsanlagen und eine Seilbahn vom Werk zum Bahnhof Laggenbeck bauen, mit der die Kohlen zur Kippe am Bahnhof befördert wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde auf Kosten des Werkes der westliche Teil des Bahneinschnittes erweitert, und die Bahnsteige wurden auf die Nord- und Südseite des Bahnhofs verteilt.

Der Schacht Morgenstern, der 1872 stillgelegt war, erlebte von 1923 bis 1928 eine zweite Blütezeit mit schönen Hoffnungen, aber arger Enttäuschung, da durch Aufgabe des Unternehmens 300 Arbeiter, darunter viele Siedler, gezwungen wurden, an anderer Stelle Beschäftigung zu suchen.